“Der Hobbit: Eine unerwartet Reise” – Kritik

DerHobbitAutor: Leonhard Balk

“In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit.”

Es scheint eine ungeschriebene Regel zu sein, dass sich jede Kritik zu Peter Jacksons „Der Hobbit: Eine Unerwartete Reise” zunächst mit der Entscheidung, drei Filme aus J.R.R. Tolkiens 300-Seiten-Buch zu machen, beschäftigen muss. Hinter dieser umstrittenen Verfilmungsmethode könnte zum einen ausschließlich nur kommerzielle Interessen liegen (man siehe hierzu auch „Harry Potter und die Heiligtuemer des Todes – Teil 1“ sowie „Twilight 4: Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 1)”und „Die Tribute von Panem 3 – Flammender Zorn (Teil 1)“). Zum anderen möchte sich Jackson vielleicht nicht wieder so schnell von Mittelerde trennen, nachdem mit seiner „Herr der Ringe“-Trilogie er schon einen Großteil seines Lebens in dieser Welt verbracht hat. Fest steht, dass diese unerwartete Trilogie schon viele potenzielle Kinogänger abgeschreckt und verwirrt hat, schließlich erwartet man doch nach fast drei Stunden Laufspielzeit ein befriedigendes, finales Ende. Um diese Kinokassen-Spekulation, eine regelrechte Zumutung für die Fans des Buchs, zu gerechtfertigten, musste sich Jackson etwas wirklich besonderes einfallen lassen.

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Der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman, „Sherlock“) geniesst sein ruhiges Leben in den grünen Hügeln des Auenlands. Doch mit dem Besuch des Zauberers Gandalf (Ian McKellen) wird sein friedliches Dasein urplötzlich auf den Kopf gestellt. Eine rüpelhafte Zwergen-Bande versammelt sich in seinem Esszimmer und verlangt ein Festmahl. Als dann ihr Anführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage) eintrifft, wird auch noch von einem Drachen geredet. Ehe er sich versieht, ist Bilbo ein Teil des Himmelfahrtskommandos um die Zwergen-Stadt Erebor von dem Drachen Smaug zu befreien.

Obwohl auf den Postern und in den Trailern des Films viel Werbung um die Sehenswürdigkeiten Mittelerdes gemacht wurde, tritt Bilbo seine unerwartete Reise eigentlich erst nach rund 40 Minuten an. Die Szenen vor seinem Ausruf, „Ich ziehe in ein Abenteuer!”, beschäftigen sich mit dem geschichtlichen Hintergrund der Zwerge aus Erebor, dem erzählerischen Rahmen rund um den alten Bilbo (Ian Holm) und dem jungen Frodo (Elijah Wood, der sich in den verstrichenen 10 Jahren wirklich nicht verändert hat) und einem unverhofften Abendmahl. Jackson hat die schwierigen Aufgabe auf sich genommen, zu Beginn seines Films sowohl neue Figuren vorzustellen, als auch an seine beliebte Trilogie anzuknüpfen. Für dieses Unterfangen lässt er sich tatsächlich etwas zu viel Zeit.

Viele Kritiker scheint dies zu stören, sie beklagen Jacksons zügellosen Umgang mit dem Originaltext. Ihrer Meinung nach hätte man das Auenland früher verlassen müssen, die Eröffnungssequenzen und Vorstellungsszenen würden den restlichen Verlauf des Films aus dem Gleichgewicht bringen. Ich finde jedoch, dass man Jacksons ersten Hobbit-Teil als einen Film bestehend aus zwei Teilen betrachten sollte. Im Grunde genommen handelt es sich bei dieser neuen Trilogie und bei den „Herr der Ringe“-Filmen um so genannte Roadtrip-Movies. Dieses alte, traditionell amerikanische Filmgenre (ein Beispiel: „Früchte des Zorns”), zeichnet sich durch eine eher langsame, nachdenkliche Eröffnungsphase ab. Ein weiteres Beispiel, „Little Miss Sunshine“, lies sich für die Vorstellung der Hauptcharaktere auch viel Zeit, bevor es mit der Reise losging.

Peter Jackson und seinen Drebuch/Produzenten-Partner (Ehefrau Fran Walsh und Tolkien-Gelehrte Philippa Boyens) ist es sichtlich wichtig, dass man schon vor Beginn ihres großen Fantasy-Abenteuers einen Zwerg vom nächsten unterscheiden kann. Hier liegt Jacksons tatsächliche Stärke als Regisseur. Obwohl seine Filmwelt unglaublich detailliert ist, fällt es ihm nicht schwer die verschiedenen Elemente dieser Welt mit einer unermüdlich innovativen Kameraführung und der Hilfe eines Preisgekrönten Design-Team vorzustellen. Innerhalb kürzester Zeit (ja, es hätte auch länger dauern können) ist uns klar, warum Thorin und seine Zwerge ihre Heimat zurückerobern wollen und wieso Bilbo sich auf diese schwierige Reise begibt.

Bis zum Ende des Films hat es Jackson tatsächlich geschafft die Kinderbuch-Welt des Hobbit-Buchs mit seiner epischen und dunklen „Herr der Ringe“-Trilogie zu verbinden. Der Neuseeländer und sein Team haben dabei nicht nur die legendären Szenen von Tolkiens Buch respektvoll umgesetzt, sondern auch für die „Ringe“-Fans eine neue zufriedenstellende Trilogie geschaffen.

Fazit: Wunderschönen entworfen und innovativ gefilmt, macht diese lang-erwartete Rückkehr nach Mittelerde Lust auf mehr. Zum Glück kann man sich noch auf zwei weitere Filme freuen.

Wertung: 8/10

Regisseur: Peter Jackson Drehbuch: Fran Walsh; Philippa Boyens; Peter Jackson; Guillermo del Toro Schauspieler: Ian McKellen; Martin Freeman; Benedict Cumberbatch; Richard Armitage; Andy Serkis Erscheinungsjahr: 2012 Produktionsland: USA; Neuseeland Länge: 169 Minuten

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