“Pina” – Gastkritik

pina-3d-poster Autor: Nina Maier

„Tanzt, Tanzt, sonst sind wir verloren“

Die langjährige Freundschaft zwischen Regisseur Wim Wenders und der weltberühmten Choreographin Pina Bausch veranlasste die Beiden, zusammen einen Film zu machen. Jedoch war Wenders noch lange Zeit auf der Suche nach einer Form, die das Tanztheater in angemessener Art und Weise widerspiegeln würde. Letztendlich fand er heraus, dass er das Verhältnis zwischen Bewegung und Raum nur durch die Hinzunahme der dritten Dimension angemessen darstellen kann. Als Pina dann aber kurz vor Drehbeginn, im Sommer 2009 verstarb, wurde das Projekt ersteinmal auf Eis gelegt. Nach langen Überlegen sah sich Wenders jedoch dazu verpflichtet, die Hommage an seine Freundin auch ohne sie zu vollenden. Ein tolle Idee, wie einem nach dem Anschauen von “Pina” klar wird. Selten wurde Tanz und Theater sinnlicher, besser und vor allem atemberaubender auf die Leinwand gebracht…

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Der Film „Pina“ ist benannt nach dem Kopf des Wuppertaler Tanztheaters, Pina Bausch. Eine dokumentationsartige Verfilmung von Pinas Choreographien zu „Café Müller“, „Le Sacre du Printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“. Bei „Le Sacre du Printemps“ ist der Boden der Bühne mit einer Schicht aus Erde belegt. Hier kann man einen kraftvollen Ausdruck der Tänzer erkennen und sieht durch die Erde noch ihre Fußabdrücke. Das darauf folgende Stück „Café Müller“ zeigt die Kulisse einer Gaststätte mit Stühlen, Tischen und je einer Tür zur linken und zur rechten der Bühne. Alles ist recht minimalistisch gehalten, und die Tänzer tanzen mit den Stühlen und um sie herum. „Kontakthof“ zeigt die Szenerie einer Tanzschule. Im Stück „Vollmond“ ist ein großer Fels auf der Bühne zu sehen, es regnet und die Tänzer integrieren den Felsbrocken und das Wasser in ihren Tanz. Zwischen den Szenen, die auf der Theaterbühne abgedreht wurden, werden Erzählungen der Tänzer über Pina und außerdem Tanzszenen im öffentlichen Raum (z.B. S-Bahn, Straßenkreuzungen, Waldlichtung…) eingeschoben.

Bald schon wird klar, dass der Film keine biographischen Details erklären will. Es ist eine Liebeserklärung an eine große Künstlerin. Das Werk gilt der Bewunderung ihrer Kunst und Schaffensweise. Auch die Erzählungen der Tänzer, die langjährige Schüler Bauschs waren, strahlen vor Bewunderung oder gar Ehrfurcht. Dadurch, dass nur wenige Archivaufnahmen von Pina selbst eingebracht werden, erscheint die Künstlerin in einem mysteriösen Licht, einer Idolfunktion. Dargestellt wird eine Frau, die sich ganz dem Tanz verschrieben hat, und mit Herzblut, Leidenschaft und Schmerz an ihre Arbeit herangeht. Für die eingeschobenen Szenen außerhalb des Theatersaals wurden außergewöhnliche Schauplätze gewählt, die zur surrealistischen Inszenierung das Ganzen beitragen. Das Endprodukt aus einer großartigen Choreographin, einem kreativen Regisseur, den abwechslungsreichen Schauplätzen und nicht zuletzt den grandiosen Tänzern ist ein sinnliches, traumtänzerisches, mit Leichtigkeit gefülltes Tanztheater, bei dem es nicht an Dramatik fehlt.

Die Aufnahmen der Tänzer zeigen ihre Körperkunst und ihre Mimik, die in diesen Stücken ebenfalls eine große Rolle spielt. Gelegentlich hört man sogar den Atem der Tänzer, und man ist ihnen sehr nah, fast so, als ob man mittanzen würde. Dies zeigt auch die Kamera, die mitten im Geschehen ist, die Tänzer umgibt, und die Nähe zu den Akteuren unterstreicht. Es baut sich gegen Ende des Films eine Spannung auf, da die Szenen schneller wechseln. Man kommt vom einen ins andere, fühlt mit und ist Teil des Ganzen.

Fazit: Mit „Pina“ ist Wim Wenders ein Film gelungen, der, sofern man dem Tanz nicht abgeneigt ist, zwei Dinge vermittelt: Man bekommt auf dokumentarische Art und Weise eine Ahnung dessen, was Pina Bausch für ein Mensch gewesen sein muss und wie sie auf andere gewirkt hat. Gleichzeitig kommen fesselnde Emotionen nicht zu kurz.

Wertung: 8,5/10

Regisseur: Wim Wenders Drehbuch: Wim Wenders Schauspieler: Pina Bausch; Regina Advento; Malou Airoudo; Ruth Amarante; Jorge Puerta Armanta Erscheinungsjahr: 2011 Produktionsland: Deutschland Länge: 100 Minuten

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